Mittwoch 29.08.07


Heute sind wir, nachdem wir es schon wieder nicht geschafft hatten früh aufzustehen (ich weiß nicht was ich nächste Woche machen soll, wenn die Vorlesungen beginnen), zum Tempel Beomeosa gefahren.
Es handelt sich dabei um die größte Tempelanlage in Busan

(klingt ganz so als gäbe es mehrere... aber außer kleineren Tempelchen wars das leider... dafür ist Beomeosa aber umso beeindruckender). Sie wurde 678 n.Chr. von einem Priester errichtet und hatte ursprünglich 360 Zimmer und tausend
Mönche. Leider wurde sie während der Japanischen Herrschaft 1590 zerstört und später kleiner wieder aufgebaut.
Der Komplex ist aber, wie ihr hoffentlich an den Fotos seht, noch immer sehr imposant.
Außerdem ist die Anlage sehr schön gelegen. Sie befindet
sich im Norden Busans, auf einem der vielen Berge, so dass man von dort aus viele Wanderwege in die Umgebung nehmen kann. Wir sind einen Weg den Berg hinauf gelaufen, der Ausschließlich aus großen, übereinander getürmten Steinen bestand. Neben bzw. unter uns verlief ein kleiner Bach, der die nahegelegenen Bambushaine wässerte.
Wäre der Anstieg nicht so anstrengend gewesen, hätte man von einem wahren Erholungsausflug sprechen können, so schön war die Landschaft.

Dienstag 04.09.07

Von heute gibt's leider nicht viel zu berichten, da ich mit einer mittelschweren Magenverstimmung im Bett lag =(
Gegen Abend konnte ich aber schon wieder raus und hab dann auch kurz bei einem auf dem Unigelände stattfindenden Rock-Konzert vorbei geschaut. Die Bands waren echt gut.. sie haben zwar ausschließlich Lieder von bekannten Bands gesungen (teils in koreanisch teils in englisch), aber die konnten sie stilecht nachspielen. Komisch war nur, das alle Leute saßen... und das bei Liedern von Linkin Park, Edge of thorns und ähnlichen. Ab und zu wurde geklatscht, aber auch das recht verhalten... naja, also auch wenn nicht wirklich gute Stimmung auf kam, fand ich es doch ganz lustig...

Montag

Heute sind wir wieder wegen Organisatorischem zu den verschiedenen Mrs. Kim´s dieser Uni gelaufen.
Derzeit habe ich mit drei Mrs. Kim´s zu tun. Eine ist Professorin, die andere arbeitet bei uns im Biotechnologie Institut und die dritte im International Office. Bei letzter haben wir dann leider erfahren, dass wir (entgegen den Gepflogenheiten des alten Wohnheims) keinen Kühlschrank und auch kein Telefon aufs Zimmer bekommen. Wobei ein Kühlschrank wirklich praktisch wäre, da wir nun dazu übergegangen sind morgens immer Müsli zu essen und uns die Milch immer nach einem Tag schlecht wird, weshalb sie nun immer in einem Eimer mit kaltem Wasser schwimmt.
Außerdem wird es eventuell doch keinen Gemeinschaftsraum geben, da die hälfte des Wohnheimes nicht unserer Uni, sondern dritten gehört =(
Das ist nicht wirklich erfreulich, wenn man bedenkt wie wenig Platz wir hier in den Zimmern haben.


Der Nachmittag war dann wieder erfreulicher. Wir haben nämlich auf dem, hinter der Uni weiter ansteigenden Berg, einen Trimm-dich-Pfad. Besser gesagt führen mehrere kleine romantische Wege den Berg hinauf und an zwei Plätzen stehen im Wald verteilt neben einer Quelle mit frischem Wasser etliche Geräte.
Da man nicht nur von der Uni aus auf diesen Pfad gelangt, waren dort auch einige ältere, aber noch sehr sehr fitte, Menschen anzufinden.

das Wochenende

Das wird dann mal ein kurzer Eintrag.
Das Wochenende war nämlich, im Gegensatz zur vergangenen Woche, echt entspannt.
Ich konnte endlich mal richtig ausschlafen und SHOPPEN !!! =)
Zu dem Bild : ein Euro entsprechen 1.288 Won und da ich meine Miete im voraus bezahlen durfte war ich kurz Millionär =)
Wir sind also nach Somyeon, dem "Zentrum" von Busan, gefahren. Dieses Zentrum besteht aus einer großen Kreuzung mit fünf abgehenden Straßen. Sonst sieht es eigentlich so aus wir überall, nur mit noch mehr Läden, riesigen Häusern und Menschenmassen. Die eigentliche Einkaufsmeile befindet sich im Untergrund. Dort treffen die zwei großen U-Bahn Linien Busans aufeinander und so gibt es in den U-Bahnpassagen eine richtige kleine Sadt aus Lädchen.
Man findet eigentlich alles und das auch zu akzeptablen Preisen (wenn man sucht). Mein Problem ist nur, dass ich für den durchschnitts Koreaner zu groß bin. Daher muss ich immer die größten Größen nehmen... das ist auch nicht gerade gut fürs Selbstbewusstsein =) Hinzu kommt noch, das man außer Hosen nichts anprobieren darf, daher gibt es auch nur in den wenigsten Geschäften Ankleiden. Mein Augenmaß hat auch leider schon ein mal versagt..

Freitag 30.08.07


Am Freitag ging es dann in aller früh zur Einwanderungsbehörde.
Jeder der länger als 3 Monate in Korea bleibt muss sich, auch wenn bereits ein Visum vorhanden ist, eine alien card besorgen.
Wir sind also im Pulk dort hin (beachte Slogan über Tür: beautyful korea, wonderful imigration) und haben den Beamten belagert. Dank Daniels Hilfe ging auch alles ohne Probleme und wir werden nächste Woche unsere Karte zugeschickt bekommen.
Solange sind wir jedoch ohne Pass unterwegs.
Heute ist übrigens auch mein neuer Koffer gekommen.
Ich hab ganz vergessen zu schreiben, dass Emirates es irgendwie auf dem Flug geschafft hat meinen Koffer oben komplett in Fritierfett zu tränken und die Rollen zu zerbrechen.
Zum Glück sind meine Sachen nicht beschädigt worden, jedoch hat der Koffer schon auf 5m entfernung furchtbar nach Nudelsuppe gestunken.
Ilka und ich sind also damals in Soul als ich den Koffer bekommen habe direkt zum Büro von Emirates gegangen, um uns zu beschweren.
Letztendlich haben sie mir zugesichert mir einen neuen Koffer (leider "nur im Wert von 100 Dollar") zuzuschicken.
Da ich die Telefonnummer eines der Studenten bei mir hatte die uns abholen sollten, konnte der Beamte mit ihm sprechen und ausmachen, dass der Koffer zu ihm geschickt wird. Und heute hat er ihn mir also vorbeigebracht.
Er ist leider ein wenig kleiner als der alte aber dafür echt schick!

Nachmittag
Am Nachmittag wurden wir von Daniel (sein richtiger Name ist übrigens Zee-Won) und seinem Onkel abgeholt.
Daniel hatte uns gefragt ob wir bei der Feier zu ehren seiner vor genau einem Jahr versorbenen Oma teilnehmen wollen.
Wir, also die 4 Berliner, sind natürlich sehr gerne mitgekommen und das hat sich auch als sehr gute Entscheidung herausgestellt.
Der sich zum ersten mal jährende Todestag wird in Korea groß gefeiert mit einem Essen für das 4 Frauen mehrer Tage in der Küche stehen müssen. Aber auch anschließende Todestage werden nach konfuzianistischer Tradition gefeiert.
Wir sind also in das Haus des ältesten Sohnes, das ca 1h entfernt von Busan liegt, gefahren. Dort hatte sich auch bereits die gesammte Familie versammelt. Sogar eine Tante aus Deutschland war extra angereist.

Das Haus liegt sehr schön im Grünen in der nähe eines (Buddistischen?)Klosters in mitten der Berge.
Es ist wirklich sehr groß und komplett aus Holz gebaut, wie auch das Nebenhaus, das für die Seminare der Frau (studierte Psychologin) dient. Im Garten standen auf einem Kiesbett etliche Tontöpfe für das einlegen von Gemüse und insbesondere des Kimchi.
Jede Familie versorgt sich so immernoch mit eigenem Kimchi.
Kurz nach unserer Ankunft wurden die "Reste" die nicht für die Feier gebraucht wurden als Abendbrot gereicht. Allein die waren schon eine kleine Festmahlzeit von leckerem Allerlei.
Da wir uns im Vorbereitungstrubel etwas unnütz vorkamen haben wir unsere Hilfe angeboten und durften dann das Geschirr mit feuchten Tüchern zwei mal abwischen.
Es waren etliche kleine Podeste und Schälchen aus Holz auf die später das Essen aufgebahrt wurde.
Laut tradition soll der Geist des Verstorbenen erst gegen Mitternacht erscheinen, da aber Kinder anwesend waren und viele Verwandte wieder zurück in die Stadt mussten wurde direkt nach der katholischen Messe (die Oma war katholisch und ihr Wille war das ihre Angehörigen eine Messe besuchen, was aber ein kleiner Bruch der Tradition ist, von dem aber auch noch weitere folgen sollten) begonnen.
Auf vier kleine Tische wurde in bestimmter Reihenfolge das Essen platziert, wobei es von jeder Sache immer nur 1,3 oder 5 Teile, also eine unerade Anzahl, geben durfte.
In die Mitte wurde ein Foto der Oma gestellt und ein Holzrahmen mit einem Papierstück ,auf das in Chinesischer Schrift der Name der Oma geschrieben wurde.
Nun wurde nach Rang von bestimmten Familienmitgliedern jeweils zwei Gläser mit Wein gefüllt und über Weihrauchstäbchen drei mal im Kreis geführt und vor das Bild gestellt. Ein Glas war für die Oma(deren Geist nun anwesend sein sollte) und das andere für den auch bereits verstorbenen Opa. Anschließend hat man (der Weingeber und andere, nicht berechtigte) sich 2,5 mal vor dem Geist verbeugt. Also zwei mal tief auf den Boden und einmal im stehen.
Eigentlich sagt die Tradition, das Frauen hier nur zusehen dürfen, sich jedoch nicht mit verbeugen oder gar Wein reichen dürfen, da das elteste Kind der Oma jedoch eine Frau (die Mutter Daniels) ist und sie der Oma auch Ehre bekunden wollte haben auch die Frauen mitgemacht.
Und!!! da es, nachdem alle dran waren, eine gerade Anzahl von Zyklen gab in denen sich die Familienmitglieder verbeugt haben, wurden auch wir gefragt, ob wir (wenn wir wollen) auch Wein überreichen wollen. Sebastian hat also den Wein überreicht und sich dann zusammen mit uns verbeugt.
Oh man... ich sag euch... war das vielleicht aufregend!! Alle hinter uns haben zugesehen...
Jedenfalls war es wirklich sehr sehr nett das wir dabei sein durften, wir sind von allen sehr höflich behandelt worden und man hat uns alles erklärt. Es war wirklich ein toller Einblick in koreanische Tradition.

Und Anschließend gab es natürlich das Essen, nun auf anderen Tellern serviert, zu essen. Mjami.. sehr köstlich.
Gegen 1 waren wir dann wieder zu hause.

Mittwoch 29.08.07

Am Mittwoch sind wir um 10 von den Professoren, den koreanischen Studenten und Sabrina einer russischen Studentin mit koreanischen Vorfahren abgeholt woren.
Sie kommt von der Sachalininsel im Süden Russlands, wo viele Koreanische Auswanderer leben.
Zusammen mit den Erlangern sind wir dann alle ans Meer zu dem Fishery Science Technology Center der Pukyong Universität auf ein "membership training" gefahren.
In Wahrheit haben wir nur einen Vortrag gehört und uns unsere Studienarbeiten vorstellen lassen, den Rest der Zeit haben wir gegessen und gefeiert. Eigentlich wollten wir schwimmen gehen, nur war das Wetter leider zu verregnet und der Strand zu vermüllt.
MT, also membership training, kann man übrigens auch mit den koreanischen Wörtern für trinken und kotzen übersetzen und darauf waren wir dann auch gefasst.

Abends wurden dann bereits zum Essen (koreanisches Barbecue, also am Tisch gebratenes Schweinefleisch mit viel Fett in ein Salatblatt mit Reis und Gemüse eingewickelt) einige Flaschen Soju herbeigezaubert, wobei sich viele beschwerten, dass 20 Flaschen für 14 Personen doch nie reichen würden (ganz abgesehen von dem Reiswein, der auch rumgeschenkt wurde).
So kam es dass schon kurz nach dem Essen zu Karaoke angestimmt wurde.
Koreaner singen sehr sehr gerne und viel Karaoke und als wir dann an der Reihe waren konnte kaum einer den Text eines Liedes auswendig. Ich wußte mir leider auch nicht wirklich zu helfen und hab eher schlecht als recht etwas zusammengeschustert. Am Wochenende heißt es also Liedtexte lernen, da uns das wohl noch häufiger passieren wird.
Im Anschluß ging es dann weiter mit Trinkspielen. Bei einem wurde ein großes Glas mit Bier gefüllt (so weit wie ich weiß gibt es zwar mehrere Brauereien in Korea aber nur eine Sorte Bier, die ist aber nich allzu schlecht) und in dieses Glas kam dann ein leeres Schnapsglas hinein. Das wurde dann reihum mit Soju gefüllt bis es unterging. Der Unglückliche bei dem es unterging musste das Glas dann leeren.
Die einzige Möglichkeit darum herumzukommen es zu trinken besteht für ein Mädchen darin es einem Jungen anzubieten. Lehnt er es ab muss man zwei Gläser trinken, nimmt er es an, hat er einen Wunsch frei (beliebt: "gib mir einen Kuss").
Zum Glück ist mir beides verschont geblieben =-)

Später wurde uns DAS koreanische Kartenspiel GoStop beigebracht. Ich würde es als eine Mischung aus Rome, Kanaster und irgendwas mit bunten Bildern beschreiben... irgendwie kompliziert, aber lustig.
Die Nacht haben wir in typisch koreanischen Räumen verbracht. Man schläft auf Böden (die im Winter beheizt sind) nur mit einer Decke drunter und oben auf.
Am nächsten Tag sind wir gegen Mittag ein wenig verkatert und ohne Frühstück aufgebrochen.

Dienstag 28.08.07

Wir hatten uns nach einer sehr kurzen Nacht (waren am Vorabend noch typisch Koreanisch essen inklusive Soju) um 12 Uhr mit Daniel getroffen. Daniel ist Koreaner, ist aber in Berlin geboren und hat auch in Deutschland studiert. Hier ist er für organisatorisches, also irgendwie auch für uns, verantwortlich. Jedenfalls hat er uns seit dem ersten Tag begleitet und in alles Wissenswerte eingeführt. So haben wir z.B. noch am Montagabend das Wichtigste über die koreanischen Umgangsformen gelernt. So gibt es hier eine starke Hirarchie, wobei die ältesten (Männer) am meisten geschätzt werden. So wird ihnen immer zuerst eingeschenkt, alles an sie muss mit zwei Händen überreicht werden (was aber auch bei allen Anderen als höfliches muss angesehen wird) und so weiter. Dafür bezahlen die Ältesten in der Regel auch alles, so dass ich bis jetzt zum essen fast immer eingeladen wurde. Man teilt die Rechnungen nämlich nie auf, auch getrennte Rechnungen gibt es hier nicht.


Jedenfalls hatten wir uns um 12 verabredet und sind dann gemeinsam in die Professoren-Mensa "frühstücken" gegangen.
Das Essen bestand aus Reis, Kimchi und Salat... daran muss man sich erst mal gewöhnen.
Anschließend haben wir den Campus erkundet und sind den Professoren und Mitarbeitern des International office vorgestellt worden.
Am Abend sind dann die zwei anderen Deutschen, Kathrin und Stephanie aus Erlangen, angekommen und wir sind wieder zusammen essen gewesen.
Da die großen Geschäfte hier bis 1Uhr nachts oder auch ganztägig geöffnet sind, sind wir anschließend noch einkaufen gewesen.